Die Journey

Wenn du zum Lesen ständig links und rechts scrollen mußt, dann klick hier drauf!13 - Denkwürdig

- 1 -

Auch wenn die Kartoffeln ein wenig verkohlt sind und ich mir dabei die Finger verbrannt habe, als ich sie aus dem Feuer holen wollte - wen stört das bei diesem Ambiente schon! Nun ist das Feuer zusammengefallen, ein glimmendes Häufchen davon noch übrig. Immer wieder leuchtet ein Stück auf, knackt und knistert es, fallen verkohlte Zweige zusammen. Vereinzelten Bellen von ein paar Hunden, Grillenzirpen. Und natürlich das sanfte Glucksen und leise Rauschen der kleinen Wellen vor uns am Strand. Meine Gedanken sind zu dem von Alice Erzählten gewandert, das mich nicht aus seinem Bann entläßt. Was hat es mit diesem Blumengarten auf sich, der irgendwo da oben sein soll, was unsere sie 'unsere Heimat' nannte? Ich frage Alice, ob sie nicht ein wenig weitererzählen möchte, sie sagt zu. Während mir kaum spürbar die Wärme der vergehenden Glut entgegenweht, höre ich ihre Erzählung.

"Aina hatte mich eine Zeit mir selbst überlassen, damit ich die neuen Erfahrungen in mich sinken lassen konnte. Auch das war ein seltsames Erlebnis. Denn es war so, als ob die Worte von ihr ein tief verborgenes Wissen in mir berührt hätten, daß nun, widerklingend aus meinem Inneren emporgestiegen kam.
Nach einer Zeit war sie dann plötzlich wieder neben mir.
'Ich werde dir nun erzählen,' begann sie, 'wie es uns in diesem Blumengarten dort oben ergeht. -
Wenn wir dort behütet in den Blüten liegen, haben wir zwar alle Fähigkeiten in uns, aber sie sind unentwickelt. Während andere Wesen soviel Kraft in sich hatten, daß die Fähigkeiten bereits ausgebildet waren, müssen wir sie selbst erst erwecken. Wir müssen uns unserer Fähigkeiten bewußt werden und sie entwickeln.'
'Wir sind also zu schwach dazu, daß die Fähigkeiten fertig entwickelt sind, wie bei anderen Wesen, die bereits früher, weiter oben, sich aus dem Lichtstrom lösen konnten und müssen sie nun selbst aktivieren?'
'Ja, so ist es. Wir müssen uns unser Bewußtsein erarbeiten.'
'Und wie geht das?'
'Die Kraft erlangen wir, indem wir es wollen. Als Geschenk haben wir, im Gegensatz zu vielen anderen Wesen, den freien Willen bekommen. Der ist unser Hilfsmittel, das wir verwenden können. Wie aber in allem gleichzeitig Chance und Gefahr liegt, so ist es auch hier. Wir haben dadurch die Möglichkeit, das zu erreichen, was wir zu Beginn nicht haben: Bewußtsein, durch das wir in unsere Heimat zurück können. Das ist der Ort, zu dem man früher Paradies gesagt hat. Wir können aber überall hin, wohin wir wollen, nicht nur dorthin.'
'Glaubst du, daß jemand denn freiwillig nicht zurückkehren möchte?'
'Weißt du, Alice, es ist wie in einem Spiel. Es werden dir die Augen verbunden, damit du nicht siehst, wo du bist. Du hast nur noch eine sanfte Erinnerung von deinem Zuhause, sonst nichts. Wenn du auf die verlockenden Stimmen hörst, die dir alles versprechen, den betörenden Gerüchen verfällst, die dir Sinnesfreuden verheißen oder den verführerischen Händen erliegst, die dich versuchen, in einen dunklen Winkel zu ziehen, dann kann es geschehen, daß deine Erinnerung immer schwächer wird. Es ist wie eine Prüfung. All diese Orte sind verlockend. Du kannst und sollst sie auch genießen. Nur - du darfst nicht bei ihnen für alle Zeit stehen bleiben. Wenn du deine Gedanken an zu Hause vergißt, kann es leicht geschehen, daß du auf dem Weg verloren gehst.'
'Das erinnert mich an gewisse Sagen. Odysseus Reisen, die Lorelei und andere.'
'Sagen haben oft einen wahren Kern. Vielleicht war es eine Ahnung davon, wer weiß.'
'Und warum hat man dann die Augen verbunden? Weiß nichts mehr davon?'
'Wenn du es wüßtest, dann müßtest du dich nicht anstrengen. Wenn du dich nicht anstrengen mußt, dann ziehst du keinen Nutzen daraus. Die Anstrengung gibt dir die Kraft, die du benötigst, um bewußt zurückkehren zu können. Eben die Kraft, die dir fehlt. Außerdem würde dich das Wissen oft sehr belasten. Aber laß uns sehen, wie es weitergeht.
Irgendwann wird in dir, wenn du dort oben in dem Blumenkelch liegst, das Bedürfnis nach Entwicklung wach. Mit diesem ersten leichten Wollen beginnst du dich auf den Weg zu machen. Ganz langsam beginnst du zu sinken. Alles, was um dich herum ist, hat eine Ausstrahlung. Du fühlst es. Nun beginnst du dich zuerst vage, dann immer mehr zu interessieren. Probierst mal hier und mal dort. Da auf der Erde extreme Gegensätze nebeneinander sein können - was je weiter oben desto weniger möglich ist - dringen von dort aus auch die stärksten Ausstrahlungen zu dir. Dein vages Interessieren wird immer konkreter. Dann kommt der Zeitpunkt, wo du diese Dinge kennen lernen möchtest. Das ist ein großer Zeitpunkt! Damit nämlich hast du das erstemal den Entschluß gefaßt, auf der Erde in einem Erdenkörper ein Erdenleben zu führen. Deine Wünsche führen dich zu Eltern, die zu ihnen passen und du wirst das erstemal als 'Mensch' geboren.'
Es war ein eigenartiges Empfinden, die eigene Vergangenheit auf diese Weise direkt erzählt zu bekommen!
'Damit bist du in den groben Stoff eingetaucht, steckst das erstemal in Fleisch und Blut.'
'Und deshalb werden es immer mehr Menschen?' Folgerte ich.
'Nein. Es können auf der Erde schon lange nur noch Weltenwanderer geboren werden, die schon öfters unten waren.'
'Wieso denn?'
'Weil die Beschaffenheit der Erde nicht mehr dazu geeignet ist. Die Schwingung eines jungen Menschengeistes harmonisiert nicht mit der, die die Erde mittlerweile hat. Sie ist viel zu schwer und grob'
'Zu grob?'
'Als die ersten Menschen auf die Erde kamen, das ist sehr, sehr lange her, war dort noch ein fast paradiesischer Zustand. Alles war leicht, die Menschen hatten Kontakt mit den Naturwesen, die ihnen bei allem Möglichen auch geholfen haben. Es hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit den Blumengärten, von denen ich dir erzählte. Auf diese Weise konnten sich die Menschen langsam an die neue Umgebung gewöhnen. Im Laufe der Zeit haben sie dann ihren Willen benutzt und es ist dann das herausgekommen, das du ja kennst. Du weißt ja, Menschen können mit ihrem Willen die Richtung frei wählen...'
Nun gingen wir eine Weile wortlos nebeneinander her. Ich rekapitulierte. Wir sind dort oben als kleine Fünkchen sozusagen gestrandet. Als solche hatten wir zu wenig Eigenenergie, um bewußt sein zu können. Also mußten wir uns auf den Weg machen, um die nötige Kraft zu erarbeiten. Als Hilfsmittel haben wir den freien Willen mitbekommen. Durch ihn ist es möglich, die Hürde der Schwäche zu überwinden, denn es bedeutet eine Kraftaufwendung, sich zu entscheiden. Da aber Entscheiden immer mehrere Möglichkeiten voraussetzt, haben wir auch hier die Wahl, uns für oder gegen unsere Rückkehr zu entscheiden.
Ich brauchte nun Zeit für mich, um darüber nachzudenken.
'Diese Zeit wirst du noch genug haben, Alice,' meldete sich prompt Aina. 'Denn es wird dir nicht erspart bleiben, aufzuwachen, du wirst einige Wochen im Krankenhaus sein, wahrscheinlich sogar Monate. So wie jetzt werden wir dann nicht mehr miteinander sprechen können, denn du bist in Zukunft wieder stärker mit deinem Körper verbunden. Dadurch kannst du nicht mehr hierherkommen. Aber wir werden in deinen Träumen sprechen können, dort darf ich dir dann Fragen beantworten, die du haben wirst. Auch wirst du mit Leuten zusammentreffen, die das, was du jetzt erfahren hast interessiert und mit denen du darüber sprechen kannst und sollst. Jetzt ist es aber höchste Zeit, daß du zurückkehrst.'
'Wie lange war ich denn hier?'
'Es waren nach Erdenzeit nur Minuten. Hier geht alles viel schneller, du weißt das ja bereits aus den Träumen. Alice, hab keine Angst, alles ist gut wie es ist und alles wird gut. Auch wenn du mich dann nicht mehr hören oder sehen kannst, ich bin immer in Kontakt mit dir, weiß von jeden Schritt und werde dir helfen. Du mußt nur darauf achten, daß du mich nicht überhörst.'
'Wie meinst du das?' fragte ich verzweifelt, denn ich spürte, wie alles begann, in Nebeln zu versinken.
'Du wirst es immer ganz fein in deinem Inneren spüren. Du bist behütet...' hörte ich Ainas Stimme aus immer weiterer Ferne. Dann wachte ich auf."

 

- 2 -

Das Feuer ist mittlerweile ganz erloschen, auch kein Glutstück mehr zu sehen. Reglos liegt draußen der Schatten von dem Ruderboot, die Lichter von Githio blinken, als ob sie herübergrüßen. Der Mond steht schräg über uns, sein Willen zum Abnehmen wird durch den kleinen rechts fehlenden Teil zum vollen Rund bestätigt. Alices Geschichte beschäftigt mich. Die Blumengärten mögen paradiesisch schön sein. Und es mag auch stimmen, was Alice erzählt bekam. Dennoch bereitet mir die Geschichte ein unbestimmtes Unbehagen. Ich versuche es genauer zu erfassen. Da ich besser mit Überlegungen klarkomme, wenn ich darüber spreche, wende ich mich zu Alice.
"Du mußt dich sehr allein gefühlt haben, als du wieder zurückwarst?"
"Ja, zuerst war ich unsagbar verzweifelt. Ich konnte mich nicht bewegen und fühlte teilweise Schmerzen. Dort oben war alles leicht, sonnig, unwahrscheinlich friedlich. Und doch so unmittelbar, ich kann's nicht besser erklären."
"Deine Geschichte erweckt in mir ein seltsames Gefühl von Verlorensein. Weiß nicht, wie ich es beschreiben soll." Ich versuche, das passende Bild zu finden.
"Es ist sicher schön, aber hier auf der Erde hat alles Hand und Fuß. Der Gedanken an diese unendlichen Welten bereitet mir ein Unbehagen, so, als ob plötzlich die Schwerkraft aufhören könnte und ich dann in den Weltraum wegschwebe, wo ich mich überhaupt nicht zurecht finde. Das ist eine unheimliche, ich finde sogar sehr unangenehme Vorstellung!"
"Mir ist es umgekehrt gegangen. Nachdem ich mich auf dem Asphalt wiedergefunden hatte, geriet ich, wie gesagt, zuerst regelrecht in Panik. Wie soll ich denn, um Himmels Willen, wieder zurückfinden, dachte ich mir. Aber im Krankenhaus habe ich dann Leute getroffen, denen es ähnlich ging wie es dir jetzt geht. Ich habe daraufhin einmal Aina gefragt und sie hat mir folgendes geantwortet:
'Das Wissen, das ich dir mit diesem Erlebnis geben konnte, soll nur dazu dienen, die Zusammenhänge zu verstehen. Die Menschen sind in einen Entwicklungszyklus getreten, in dem sie ergründen müssen. Die Zeit des Nachfolgens ist vorüber. Auch andere Menschen erleben derzeit ähnliches wie du hier, denn es ist die Zeit dafür. Ansonsten sollen dich die Welten dort oben nicht weiter interessieren, denn du sollst mit beiden Beinen hier auf der Erde sein und alles bewußt und voll erleben. Jedes zu seiner Zeit.'
Ich hab mich dann mit den Blumengärten und dem, was ich darüber gesehen habe, kaum beschäftigt. Es ist schnell in die Ferne gerückt. Dafür setzte ich mich viel konkreter mit all dem auseinander, das mich umgibt. Menschen, Dinge, Ereignisse. Und dabei ist es mir teilweise wie Schuppen von den Augen gefallen." Fragender Blick meinerseits.
"Ja, es war wirklich auffallend. Fast jeden Tag sind mir irgendwelche Dinge klar geworden, bei deren Ergründung ich früher passen mußte."
"Dann scheinst du dir ja schon früher viel Gedanken über alles mögliche gemacht zu haben?"
"Gar nicht einmal so besonders. Vielleicht ein wenig mehr als der Durchschnitt, aber viel mehr wohl auch nicht. Nur waren zwischendurch immer wieder Ereignisse, an denen ich schon ziemlich zu beißen hatte. In der Verwandtschaft ein Kind, daß mit zehn Jahren an Krebs starb. Von den Nachbarn der Vater - eine total nette und glückliche Familie - der von heute auf morgen starb. Mit sechsunddreißig. Ein Kollege in der Firma, der sich das Leben nahm. Der Bruder einer Freundin, ein unglaublich hilfsbereiter und netter Mensch: Sein größter Kunde geht in Konkurs und so auch seine Firma. Fazit: Seine Frau hat ihn daraufhin verlassen und er wohnt mit über fünfzig in einem kleinen Zimmer am Stadtrand, mit Schulden, die er nie wird abbezahlen können. Jedesmal hab ich einerseits einen kleinen Schock bekommen, andererseits hab ich es verdrängt, dann war da wieder eine undefinierbare Angst, daß mir auch so etwas zustößt. Verstehst du das?"
"Na ja..."
"Das hat mich immer mehr verwirrt und ich habe mich zunehmend gefragt, was das alles soll? Man kann offenbar unschuldig jung sein oder noch so nett und freundlich und trotzdem kann einem das sogenannte Schicksal einholen und überrollen. Plattwalzen. So einfach mir nichts dir nichts. Die Fälle, die ich dir erzählt habe, sind bei weitem nicht alle."
Wir schweigen ein wenig.
"Und nun ist dir alles plötzlich klar?"
"Nein, bei weitem nicht. Aber jetzt, da ich weiß, wie manche Zusammenhänge sind, wo ich mir ständig sicherer werde, daß diese Gesetze tatsächlich zu sein scheinen, nein, ich bin mir mittlerweile sicher, daß sie sind, gewinne ich einfach an Sicherheit und Lebensfreude. Ängste vergehen und die Ungewißheit verliert ihren plastischen Schrecken. Natürlich weiß ich nicht besonders viel mehr als zuvor, aber ich habe zumindest jetzt ein Werkzeug, mit dessen Hilfe ich mich orientieren kann. Weißt du, damit kommt man sich schon bedeutend weniger hilflos vor. Natürlich fallen mir auch keine Erkenntnisse in den Schoß und Aina kann ich auch gar nicht einfach um Antwort bitten. Ja, bitten schon, aber sie kommt beileibe nicht immer. Ohne Anstrengung geht es nach wie vor nicht."
"Und das alles nur aus diesem - zwar sicher außergewöhnlichen - aber doch nur kurzen Erleben?"
"Auch wenn es kurz war, es hat mich umgekrempelt. Mir kommt es vor, als ob man gar nicht viel mehr braucht. Versteh mich nicht falsch: Als Grundlage nur. Man muß dann natürlich weitersuchen. Aber wenn du weißt, daß du eine Grundlage hast, auf die du wirklich bauen kannst, dann hast du damit schon sauviel! Stell dir doch vor, wie schwierig es ist, wenn du in Büchern ständig verschiedene Ideen liest, du wirst ja richtiggehend irre mit der Zeit. Weißt nie, was jetzt noch stimmt und was nicht mehr, die Grenzen verschwimmen so leicht. Du fragst dich, ob es überhaupt etwas gibt, das stimmt. Wem sollst du glauben? Es gibt so viele Gurus, Religionen, Vorstellungen! Schau doch nur mal im Internet in ein Philosophen-Forum! Da stellt es dir ja die Haare senkrecht zu Berge!
Nein, damit habe ich eine einfach und solide Grundlage, auf die ich aufbauen kann."
"Und was ist jetzt effektiv diese Grundlage??"
"Der Kreislauf, den wir gehen und die drei Grundgesetze..."
"...von denen du aber noch nichts gesagt hast!"
"Hab ich nicht?"
"Nein."
"Schwerkraft, Affinität und Wechselwirkung."
"Das ist alles?"
"Ist es dir zu wenig?"
"Na ja, so möchte ich es nicht sagen..." ich suche nach Worten, denn ich bin etwas verwirrt. "... es kommt mir nur so - wie soll ich sagen? So... einfach vor." Nun lächelt Alice etwas, ich komme mir leicht blöd vor.
"Alle Grundlagen sind einfach, Adrian. Wir sind es nur gewohnt, kompliziert zu denken, Einfaches hat keinen richtigen Platz mehr in unserem Leben. Der Spruch 'Warum einfach, wenns auch kompliziert geht' ist gar nicht so witzig sondern eher symptomatisch."
"Muß ich drüber nachdenken. Aber ich wollte dich nicht unterbrechen!"
"Sonst gibt es eigentlich nicht viel. Zum Kreislauf halt noch, daß man öfters hier auf die Erde kommt, dann das mit dem freien Willen, dem Entwicklungsbedürfnis - aber sonst... nein, das ist eigentlich die Grundlage, mit der ich mir das meiste erklären kann. "
"Das ist echt alles?"
"Ja!" sie muß wegen meiner offensichtlichen Ratlosigkeit wieder lächeln. "Das ist doch gigantisch viel! Stell dir doch vor: Die Grundlage!"
"Wie gesagt: Muß ich mal überschlafen." Plötzlich ist mir gar nicht mehr so nach Philosophieren zumute. Der Hintern tut mir weh, zum Trinken ist auch nichts mehr da. Zudem dürfte der Mond nicht mehr lange unser Begleiter sein für heute Nacht, er hängt schon bedenklich nahe am Hügel rechts drüben.
"Was für ein seltsames Zusammentreffen, Alice! Wenn man das jemandem erzählt, das glaubt kein Schwein."
"Ja, es ist wirklich seltsam," nickt sie versonnen. Dann rückt sie unvermittelt herüber und lehnt sich an meine Schulter. Meine angehende Schläfrigkeit ist wegkatapultiert, der Durst nebenrangig und mein Allerwertester beschwert sich auch nicht mehr. Wenn ich auch nichts von ihrem Gesicht sehe, so steigt doch ein sanfter Duft aus ihren Haaren, spüre ich das leichte Gewicht ihres Kopfes und den weichen Druck ihrer Schulter an meiner. Mit einem zarten Gegendruck zeige ich ihr, daß ich mich über ihre Nähe freue. So sitzen wir lange. Schweigen, blicken der leisen Lichtspur des vergehenden Mondrundes auf der stillen Wasserfläche nach, hinüber zu den zart herüberblinkenden Lichtpunkten der Stadt, drüben, am anderen Ende der Bucht. Wenige Wolkenschiffe heben sich leicht von dem helleren Grau des Firmaments ab. Millionen kleiner Punkten über uns, bekannte Sternbilder, die Milchstraße, Weite. Unendliche, stille Weite. Hören, wie die kleinen Wellen verschlafen den Sand heraufwischen und sich zurückgleiten lassen, wie Grillen hier und dort zirpen, manchmal ein Hund bellt. Selten das unstete eckige Flattern des schwarzen Schattens einer Fledermaus auf einsamer nächtlicher Jagd. Friede und stille Freude strömen aus meinem Herzen hinaus in die stille Nacht, verbinden sich mit ihr, ruhen gleichermaßen im Einklang mit der Ferne und kehren aus ihr hierher zurück. Möge doch diese Stunde nie vergehen...

 
Seitenanfang